75 Jahre TGS 1999 PDF  | Drucken |

Kulturbotschafterin ersten Ranges
Grusswort zum Jubiläum von Vreni Schawalder, Regierungsrätin des Kantons Thurgau

Alle drei Jahre wird die Theatergesellschaft Sirnach seit 1955 mit ihren Operettenaufführungen zu einer Kulturbotschafterin ersten Ranges. Die Inszenierungen bestechen durch hohe Qualität und lebendige Musikalität.

Immer wieder wird dann Sirnach zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des Kantons. Oft sind die Mitglieder des Regierungsrates sogar vollzählig bei den festlichen Premieren der Operettenaufführungen dabei und geniessen die besondere Ambiance im Dreitannensaal.

Ich wünsche der Theatergesellschaft Sirnach auch im nächsten Jahrtausend viel Schwung und ansteckende Begeisterung, damit der Operettenbazillus im Hinterthurgau virulent bleibe - zur Freude aller!

 


Sirnach in alle Welt tragen
Grusswort zum Jubiläum von Kurt Baumann, Gemeindeammann Sirnach

Mit der Sirnacher Operette etablierte sich ein Anlass, der weit über die Kantonsgrenzen hinaus Ansehen und Beachtung findet. Die alle drei Jahre stattfindenden Aufführungen erfreuen jeweils Tausende von begeisterten Besuchern. Das enorme Engagement, die grosse Motivation aller Mitwirkenden und die Freude am Gelingen eines gemeinsamen Werkes sind wohl der Schlüssel des Erfolges. Die guten Kontakte zu anderen Operettenbühnen in der Schweiz und im Ausland sowie die zur Tradition gewordenen Anlässe tragen den Namen unserer Gemeinde im positiven Sinne in alle Welt.

 


Das Musiktheater ist nicht tot!
Interview mit Professor Kurt Pahlen, Dirigent, Komponist, Musikwissenschaftler und Schriftsteller

- Worin liegt die Faszination, dass "alte Klamotten" - seien es italienische Opern oder Wiener Operetten - immer noch ein so grosses Publikum finden?

Kurt Pahlen: Das Musiktheater ist noch immer bedeutend - mit all seinen Problemen. Es ist ein fesselndes Experiment, so viele Künste miteinander zu vereinen. Allerdings: Die Anziehungskraft der Oper bezieht sich heute auf das Historische, nicht auf das Zeitgenössische. Darin findet sich vieles von dem, was man im Alltag vermisst: Schönheit, Wunscherfüllung, Romantik. Die grosse Masse der Opernbesucher ist nach
wie vor romantisch.

- Und wie verhält es sich mit der Operette?

Kurt Pahlen: Der vorausgesagte Tod der Operette ist nicht eingetreten. Sie hat sich wieder erholt. Die Operettenhäuser sind voll. In diesem Jahr zum Beispiel wurde in der Arena von Verona erstmals eine Operette aufgeführt, "Die Lustige Witwe". Das zeigt, dass die Massen die Operette wollen.

- Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung des Musiktheaters?

Kurt Pahlen: Die Zukunft ist insgesamt positiv. Opern und Operetten werden auf den Spielplänen verbleiben. Handelte es sich immer um gemässigte Inszenierungen, dann würde das Musiktheater noch mehr blühen und gedeihen. Das Musiktheater ist nicht tot. Das Musical kann noch gutes zur Entwicklung beitragen. Die Gefühlswerte unseres Jahrhunderts werden hoffentlich auch in Zukunft weiterleben.

 


Eine grosse Familie
von David Geary, Regisseur

Ich freue mich immer sehr, wenn die Proben in Sirnach wieder losgehen. Hier trifft man ein Ensemble von begeisterten, aber auch fähigen Bühnenkünstlern (ich benütze das Wort "Künstler" mit voller Absicht), die bereit sind, schwer und ernsthaft zu arbeiten, bis eine tolle Leistung entsteht.

Sirnach besitzt eine ganz besondere Atmosphäre, ein besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das liegt, meiner Meinung nach, vor allem an der Wirtschaft, die das Ensemble während der Spielzeit selbst betreibt.

In Sirnach sitzt oft praktisch das ganze Ensemble, ob Soli, Chor, Orchester, Bühnenmannschaft, und auch viele Zuschauer, stundenlang nach der Vorstellung zusammen. Das ist wirklich einer der Hauptgründe, dass man sich in Sirnach als Teil einer grossen Familie fühlt.

 


D' Operette-Ziit
von Marlies Bischof, Frauenchor

Im Dorf ghörsch es munkle, s'Stuck sig jetzt gwählt, aber Sänger im Chor, das isch no öppis wo fählt. Per Inserat suecheds Lüüt - "Öb mir das echt liit - mitmache, ietauche i die gheimnisvoll Operette-Ziit?"

Wenn denn em Dirigent sini Auge streng rolled, will d'Sänger wieder im falsche Takt d'Luft ufeholed, und s'erscht noch em x. Mol es Lobeswort git, das isch si, die sträng Operette-Chor-Probe-Ziit.

(Wenn du denn gspürsch, wie d'Regie-Rädli tüend laufe, "Wie chan ich die Szene em Publikum am beschte verchaufe?" Wenn du erläbsch, wie's us Gedankefätze es Ganzes git, denn weckt sie dini Schauspiel-Luscht, die Operette-Probe-Ziit.

Doch je länger mer zämmeschafft, je länger me probiert und all sini Energie und Konzentration investiert desto voller fangts a klinge, desto meh ziehts eim mit und mer plangt uf die verheissigsvoll Operette-Vorstelligs-Ziit

Wenn de Saal sich denn füllt, illustri Gäscht - feudal! Im Schiiwerferliecht dä Dirigent, mit Chummerbund und Schal, Herzchlopfe, Angschtschweiss, e explosivi Atmosphäre, das isch sie, die spannend-beglückend Operette-Première.

Kameradschaft chasch gspüre wie es feschts Band; mer lieded, mer lached, mer läbt mitenand. E anderi Welt tuet sich uf, nimmt dich gfange, nimmt dich mit, und du losch dich gern entfüehre, i därä zauberhafte Operette-Ziit.


Pressesplitter
Wiler Nachrichten vom 28. Oktober 1999

Wahre Kultur kommt aus Sirnach Dass Kultur in grossen Theaterhäusern gepflegt wird, ist schön, aber wahre Taten für die Kultur liegen in Sirnach, an Orten, wo Menschen leben, die an der Kultur festhalten werden. An Orten, wo die ganze Bevölkerung mithilft, damit die Kultur weiterleben kann!

Dieses grosse Lob zum 75-Jahr-Jubiläum erhielt die Theatergesellschaft Sirnach aus weltbekanntem, berufenem Munde. Professor Dr. Kurt Pahlen war persönlich nach Sirnach gekommen, um der Jubilarin die Glückwünsche zu überbringen.

Vor zwei Tagen weilte er noch in Mexiko. Am Sonntag reiste er nach Stuttgart, er hält Vorträge in Luzern, Bern, Wien und Zürich. Professor Dr. Kurt Pahlen ist phänomenal. "Von Ruhestand kann keine Rede sein", lachte er anlässlich seiner Festrede in Sirnach, "Ich bin ja erst 92 Jahre alt!"

Als 6-jähriger "Heinerle" im "fidelen Bauer" stand Hansueli Raggenbass in Sirnach erstmals auf der Bühne und sang "Hab kei Göld ..." Dies tat er so überzeugend, dass ihm ein reicher Heuhändler ein 10er-Goldstückli in die Hand drückte. Mittlerweile hat er die Theaterbühne mit der Politbühne vertauscht. Der Thurgauer Nationalrat liess es sich nicht nehmen, der Theatergesellschaft seine Glückwünsche persönlich zu überbringen.

"Die Theatergesellschaft Sirnach war für mich die Einstiegsdroge, um Musik zu lieben", bedankte sich Roman Müggler, der am Jubiläumsabend zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.

 
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