Stück / Handlung PDF  | Drucken |

Die Herzogin von Chicago
Operette in zwei Abteilungen
(2 Akte mit einem Vor- und Nachspiel)
Von Julius Brammer und Alfred Grünwald
Musik von Emmerich Kálmán

Aufführungsrechte: Octava-Verlag London.
Vertretung für die Schweiz:
Musikverlag und Bühnenvertrieb Zürich AG, Zürich.

Konzeptuelles zu „Die Herzogin von Chicago“ von Leopold Huber

Thema
Kálmán hat den Konflikt zwischen der europäischen und der vordrängenden amerikanischen Kultur komponiert, und damit nicht nur die Amerikanisierung der Kultur, sondern der Welt  beschrieben. Dieses bedeutende kulturpolitische Thema des 20. Jahrhunderts hat nicht ein literarischer Grossmaulfrosch behandelt, sondern „nur“ ein Operettenkomponist.

Handlung
Mary, die verwöhnte Tochter des Wurstmilliardärs Lloyd aus Chicago hat alles, will alles und bekommt alles. Aus Langeweile wettet sie mit ihren ebenso reichen Freundinnen des „Young Ladys Excentric Club“, dass sie alles auf dieser Welt für Geld kaufen kann: Auch Liebe. Und einen Mann. Aber nicht irgendeinen Mann, sondern einen Prinzen samt Königreich will sie sich kaufen. Der Wetteinsatz beträgt 1 Million Dollar. Mary inszeniert ihren „Besuch der jungen Dame“. Sie reist über den Ozean nach Europa, wo im verschuldeten Balkanstaat Sylvarien (sprich Hinterwald) ihr Vater die Ölquellen gepachtet hat. Der Thronfolger Erbprinz Sandor wehrt sich gegen die amerikanische Übernahme. Er mag mit Mary keinen Charleston tanzen und sie mit ihm keinen Csárdás oder Walzer. Daraus entwickelt sich ein singend und tanzend ausgefochtener Kampf der Musikkulturen. Über den musikalischen Streit entdecken Mary und Sandor ihre Liebe füreinander. Die Beiden wollen heiraten – da fällt Sandor das Telegramm Marys in die Hände, in dem sie ihrem Vater mitteilt, eben das ganze Königreich samt Schloss und Prinz gekauft zu haben. Wegen des folgenden Börsenkrachs sind Marys Dollarschecks allerdings nichts mehr wert. Ein guter Geist, den es leider nur in der Operette gibt, sorgt für einen schönen Schluss.


Entstehungsgeschichte
Voller Spannung wartete die Welt im April 1928 in Wien auf die Uraufführung der neuesten Kálmán-Operette. Und das, was es dann zu hören gab, war „unerhört“. Jazzklänge hielten Einzug auf der Operettenbühne, die Uraufführungskritik titelte „Jazz gegen Csárdás“ und es dauerte nicht lange, bis die Nazis Kálmáns Meisterwerk als „entartet“ mit Aufführungsverbot belegten. Heute gibt es wohl kaum eine andere Operette, die durch ihre flotten Rhythmen so frisch, frech und modern wirkt, gleichzeitig mit Gefühl die Tradition der echten Operette fortsetzt, und die Vorform des Musicals darstellt.
Die Uraufführung galt als Misserfolg, weil nicht 900 Vorstellungen verkauft wurden (wie bei Gräfin Mariza, Csárdásfürstin) sondern „nur 200“. Für das konservative Operettenpublikum war zu viel Modernität im Spiel, zu viel Jazz.

Musik
In der "Herzogin" treffen in den Figuren der reichen, kapriziösen amerikanischen Millionärstochter Mary Lloyd und des Erbprinzen Sandor von Sylvarien (einem fiktiven Kleinstaat auf dem Balkan) nicht nur zwei unterschiedliche Charaktere, sondern auch zwei Kulturen aufeinander. Der Komponist versteht es sehr sensibel, für jede dieser Figuren eine charakteristische musikalische Atmosphäre zu schaffen: Für Mary bedient er sich der damals aktuellen Jazzidiomatik, wohingegen er Sandor mit bereits von ihm erprobten balkanesk-ungarisch anmutenden Klängen ausstattet.
Die Gegensätze in der Musik sollen betont herausgearbeitet werden.

Stil / Ironie / Anarchie
Die Operette kommt ursprünglich aus dem Kabarett, aus der Schauspielkomödie mit jüdischem Witz. Ironie, die Lust an Nonsens und Absurditäten, der Spass an Irrationalitäten zeichneten die Operette aus. Den Zuschauer freute es, über die Beschränkungen des Alltags hinauszuträumen, die Logik auf den Kopf zu stellen, Grenzen und Tabus zu überschreiten. So spielte die Operette mit anarchistischen Elementen. Und die Ironie machte vor dem eigenen Gewerbe nicht Halt, die jüdischen Librettisten machten sich über das Klischee und das Verlogene lustig, nicht aber über die echten Antriebe der Personen.

Die Operettenkomponisten litten darunter, dass sie hinter der Oper als zweitklassig angesehen wurden. Und die Opernleute schielten neidisch auf die grossen Gagen der so erfolgreichen Operettenleute. Also kam Franz Lehár auf die Idee, beides zu vermischen und die Operette zu veropern. Er engagierte Opernleute, zuerst Richard Tauber. Damit verlor die Operette an Frechheit, an Spielkultur, an Tanz. Den zweiten Schlag versetzten die Nazis der Operette, indem sie den jüdischen Witz ausrotteten. Nach dem Krieg, als heile Welt angesagt war, wurde die Operette stubenrein und wunschkonzerttauglich zugerichtet.

Es ist also an der Zeit, einen Aufführungsstil zu wählen, der auf die Frische der ursprünglichen Operette zurückgreift.

 
flyer_a5_sn_final 200px mit flyer_downloaden Kopie

Hauptsponsoren

Banner
Banner

Bereichssponsoren

Banner
Banner

Vorstellungssponsoren


Besucherzähler

mod_vvisit_counterHeute70
mod_vvisit_counterDiese Woche844
mod_vvisit_counterDiesen Monat570
mod_vvisit_counterTotal66432

Zur Zeit Online 6